Watches & Wonders 2026 – Ein Wochenende, das anders lief als geplant
- Patrick Heß

- 29. Apr.
- 4 Min. Lesezeit

Freitag – Mehr als nur Anreise
Man merkt relativ schnell, ob ein Wochenende gut wird – und meistens liegt es nicht am Ziel, sondern an den Gesprächen auf dem Weg dorthin.
Erik und ich sind am Freitag von München nach Genf gefahren. Viele Stunden im Auto, aber keine Sekunde langweilig. Wenn man sich für Uhren interessiert, gehen einem die Themen ohnehin nicht aus. Modelle, Marken, Entwicklungen – aber auch ganz grundsätzliche Fragen: Warum sammelt man eigentlich? Was macht eine Uhr wirklich besonders?
Diese Fahrt war mehr als nur Anreise. Sie war der Auftakt.
Samstag ohne Tickets – und genau deshalb perfekt
Der ursprüngliche Plan war simpel: ein kompletter Tag auf der Watches & Wonders.
Die Realität: keine Tickets.
Im ersten Moment ärgerlich. Im Nachhinein vermutlich der wichtigste Teil des gesamten Wochenendes.
Denn statt Messe gab es Genf – ungefiltert, entschleunigt, ehrlich.
Frühstück in einem kleinen Café in der Altstadt. Kein Zeitdruck, kein Programm. Danach durch die Stadt, Boutiquen, Schaufenster. Überall diese „Watches & Wonders in the City“-Installationen, die man normalerweise übersieht, wenn man von Termin zu Termin hetzt.
Am Nachmittag dann der See. Sonne, Ruhe, einfach mal nichts müssen.
Das war kein Ersatzprogramm.Das war genau das, was oft fehlt.
Independents in Genf – Warum kleine Marken gerade gewinnen

Am Nachmittag haben wir Felix getroffen – ebenfalls Teil unseres Watch Circles – und sind gemeinsam zur Chronopolis gegangen.
Kleine Ausstellung, überschaubar, fast unscheinbar im Vergleich zur großen Messe.
Und genau deshalb so gut.
Hier ging es nicht um perfekt inszenierte Markenwelten, sondern um direkte Gespräche. Um Menschen, die ihre Uhren erklären, weil sie dahinterstehen – nicht, weil sie es müssen.
Das ist der große Unterschied zu vielen etablierten Marken:
weniger Marketing
mehr Substanz
weniger Inszenierung
mehr Haltung
Und genau hier merkt man, warum Independents aktuell so eine Dynamik entwickeln. Sie liefern nicht nur Produkte, sondern Perspektiven.

Horage und der Unterschied zwischen Marke und Persönlichkeit

Der Abend hat diesen Eindruck noch einmal verstärkt.
Einladung zur Präsentation des neuen Horage Werbefilms und der Tourbillon 1. Klingt erstmal nach klassischem Event – war es aber nicht.
Was hängen bleibt, ist nicht die Uhr allein, sondern das Gespräch mit Andreas Felsl.
Keine Distanz, keine Standardantworten. Stattdessen ein offener Austausch über Entscheidungen, Risiken und den Weg, eine eigene Marke aufzubauen.
Und genau das ist der Unterschied:
Viele Marken erzählen Geschichten.Hier versteht man sie.
Horage wirkt nicht wie ein Unternehmen, das Uhren verkauft, sondern wie eines, das bewusst einen eigenen Weg geht – auch wenn er schwieriger ist.
Watches & Wonders am Sonntag – Der unterschätzte Sweet Spot
Am Sonntag dann endlich Watches & Wonders.
Und direkt wurde klar: Der Zeitpunkt entscheidet über das Erlebnis.
Weniger Besucher, kaum Wartezeiten, eine deutlich entspanntere Atmosphäre. Statt „durchschieben lassen“ konnten wir uns wirklich Zeit nehmen.
Von A. Lange & Söhne bis Vacheron Constantin – wir haben uns bewusst treiben lassen und nur das angeschaut, was uns wirklich interessiert.
Kein Pflichtprogramm. Kein Haken hinter Marken setzen.
Und genau so funktioniert diese Messe am besten.
Trends 2026 – Zwischen Technik und Emotionalität
Wenn man sich Zeit nimmt, erkennt man schnell Muster.
Viele Marken bewegen sich aktuell zwischen zwei Polen:
technischer Anspruch auf höchstem Niveau
gleichzeitig der Versuch, emotionaler und zugänglicher zu werden
Nicht jede Marke schafft diese Balance gleich gut.
Einige bleiben sehr stark in ihrer eigenen Welt – beeindruckend, aber distanziert.Andere öffnen sich, werden greifbarer, verlieren dabei aber manchmal an Klarheit.
Genau hier trennt sich aktuell die Spreu vom Weizen.
Die Highlights der Watches & Wonders 2026
Vacheron Constantin
Overseas Ultra-Thin
Traditionnelle Tourbillon
Was hier auffällt, ist diese Selbstverständlichkeit. Keine lauten Designs, keine Effekthascherei – sondern ein Niveau an Verarbeitung und Proportionen, das man erst wirklich versteht, wenn man die Uhr am Arm hat.
Das ist keine Uhr, die Aufmerksamkeit fordert.Sie bekommt sie trotzdem.
Jaeger-LeCoultre
Master Control (gezielte Weiterentwicklung)
Duomètre Heliotourbillon Perpetual
JLC zeigt hier sehr klar, wo ihre Stärke liegt: Technik.
Die Duomètre ist kein Produkt für den schnellen Eindruck. Das ist eine Uhr, die man verstehen muss – und genau darin liegt ihr Reiz.
IWC Schaffhausen
Portugieser Hand-Wound Tourbillon Day & Night
Pilot’s Watch Venturer Vertical Drive
Gerade letzteres ist spannend, weil es zeigt, dass IWC bereit ist, Risiken einzugehen.
Das ist keine sichere Evolution – das ist ein Schritt in eine neue Richtung. Und genau solche Schritte braucht es, wenn man relevant bleiben will.
Fazit – Warum dieses Wochenende mehr war als nur eine Messe
Rückblickend war dieses Wochenende nicht besonders gut geplant.
Und genau deshalb war es so gut.
Die Kombination aus:
ungeplanten Momenten in Genf
intensiven Gesprächen bei Independents
und der großen Bühne der Watches & Wonders
zeigt, worum es eigentlich geht.
Die Messe zeigt, was möglich ist.Die Independents zeigen, warum es gemacht wird.
Munich Watch Circle – Zwischen Community und Einordnung
Der Munich Watch Circle versteht sich nicht nur als Community, sondern als Plattform für Austausch und Einordnung. Genau diese Mischung aus Leidenschaft und Perspektive macht solche Wochenenden besonders.
Zurück nach München – und weiter im Gespräch
Am Sonntag Nachmittag ging es zurück.
Mit vielen Eindrücken, neuen Perspektiven und vor allem: genug Stoff für viele weitere Gespräche.
Denn genau darum geht es am Ende.
Nicht nur darum, Uhren zu sehen.Sondern sie gemeinsam einzuordnen.
Danke an Erik und Felix für dieses Wochenende.
Und beim nächsten Mal kaufen wir die Tickets vielleicht wirklich vorher.




















































































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